Alumni im Gespräch: Interview mit Svitlana Rostovtseva
Svitlana Rostovtseva ist Absolventin der Euro-Schulen Dresden. Erfahrt im Interview, wie ihre Teilnahme am B2-Berufssprachkurs ihr beim Ankommen in Deutschland geholfen und sie auf ihre heutige Arbeit als Referentin für Schulorganisation und Personalmanagement an der Euro Akademie Dresden vorbereitet hat. Viel Spaß beim Lesen!
I. Persönliche & berufliche Entwicklung
1. Könntest du dich bitte kurz vorstellen?
„Mein Name ist Svitlana Rostovtseva. Im Jahr 2023 habe ich meine Deutschkenntnisse in einem B2-Berufssprachkurs an Euro-Schulen Dresden vertieft.“
2. Was hat dich damals dazu bewogen, an den Euro-Schulen den B2-Berufssprachkurs zu absolvieren?
„Als ich im März 2022 nach Deutschland geflüchtet bin, konnte ich kein Wort Deutsch verstehen oder wiederholen. Damals habe ich nur auf Englisch und in meiner Muttersprache kommuniziert. Es ist mir nicht so schnell klar geworden, dass ich länger als ein paar Monaten in Dresden wohnen muss. Dann versuchte ich mit meinem Diplom in Sachsen eine Arbeit auf Englisch zu finden, doch ich habe sehr viele Absagen bekommen.
Ich bin Deutschland sehr dankbar für den Integrationsprozess, in dem sich jeder ab Niveau 0 bis C1 verbessern kann. Nachdem ich den Integrationskurs zu Ende gebracht hatte, erwarb ich die Genehmigung für den B2-Kurs und wollte mich unbedingt an den Euro-Schulen Dresden anmelden. Zum Glück hat es ja geklappt! Ich hatte bestimmt die beste Gruppe und die Lehrerin in dieser Zeit und ich freue mich sehr, dass wir alle noch im Kontakt sind.“
3. Wie sah dein Karriereweg nach dem erfolgreichen Abschluss aus? Welche Stationen hast du durchlaufen?
„Nach dem B2-Kurs habe ich ein kurzes Einzelcoaching gemacht, jedoch führte das in Bewerbungsgesprächen noch nicht zum Erfolg. Später im Jahr 2024 habe ich einen C1-Kurs absolviert, um meine Berufschancen zu verbessern.
Nach mehr als hundert Absagen und Ghosting-Mails war ich total glücklich, als ich nach der C1-Prüfung die Zusage für meine heutige Arbeitstätigkeit bekam. Seit September 2024 arbeite ich als Referentin für Schulorganisation und Personalmanagement an der Euro Akademie Dresden.“
II. Einfluss der Euro-Schulen auf den Karriereweg
4. Gab es bestimmte Kurse, Projekte oder Lehrkräfte, die dich besonders geprägt haben?
„Für mich persönlich war der Berufssprachkurs eine Brücke zwischen dem Leben aus dem Koffer und dem Verständnis, dass mein Leben jetzt einen neuen Start in Deutschland finden soll. Um meinen Weg zu verstehen, muss man ganz am Anfang ansetzen: Meine Emigration war kein freiwilliger Schritt, sondern eine erzwungene Notwendigkeit. Diese existenzielle Veränderung hat mich tief getroffen – ich hatte schwere Depressionen, war kraftlos und völlig demotiviert. Dass ich überhaupt den B2-Sprachkurs bis zum Ende durchgezogen und die Prüfung erfolgreich bestanden habe, verdanke ich allein meiner Sprachlehrerin Frau Petrosyan und meiner Sozialpädagogin. Ihre Unterstützung hat mir damals das Leben und meine Zukunft zurückgegeben. Trotz aller persönlicher Schwierigkeiten führte ich knapp zwei Jahre Yoga-Unterricht für Frauen in einem internationalen Projekt und versuchte, für andere hilfsbereit zu sein.
Im Vergleich zum Integrationskurs hat der B2-Kurs mehr Synonyme, Redewendungen und schwierige Wortkonstruktionen behandelt. Außerdem gab es interessante mündliche Aufgaben. Sehr gerne haben wir an Gruppenarbeiten teilgenommen, interaktive Aufgaben auf der digitalen Lernplattform der Schule ausgefüllt und so sprachliche Barrieren überwunden. Damit ich mich in der neuen Gesellschaft wohlfühlen kann, bin ich oft bei verschiedenen Sprachklubs gewesen und machte stetig kleine Vorbereitungen auf die Prüfung.“
5. Was hast du damals als Schülerin an den Euro-Schulen geschätzt und was schätzt du nun an den Euro-Schulen als Arbeitgeber?
„Von Natur aus bin ich immer offen für Neues, kommunikativ und an Menschen orientiert, was mir schon früher in meiner Karriere geholfen hat. Zudem finde ich die deutsche Sprache nicht nur grammatikalisch schwierig, sondern auch sehr formal sowie kompliziert wegen der Hierarchien für den Alltag und in der Arbeitszeit. Ich bedanke mich herzlich bei Frau Wilhelm und Frau Wasserthal, die haben mir am meisten mit offizieller Sprache und der Integration im Büro geholfen und helfen mir weiterhin.“
III. Herausforderungen & Erfolge
6. Was waren die größten Herausforderungen auf deinem Karriereweg und wie hast du diese gemeistert? Gibt es ein besonderes Erfolgserlebnis oder einen Meilenstein, auf den du besonders stolz bist?
„Der Anfang im deutschen Arbeitsmarkt war für mich ein Sprung ins kalte Wasser. Es war mein allererster Job hier und alles war neu: die Sprache, die Arbeitskultur und vor allem die Branche. In meiner Heimat habe ich im medizinischen Bereich im Büro gearbeitet, hier bin ich plötzlich im Bildungswesen gelandet. Die größte Herausforderung waren anfangs die vielen neuen Fachbegriffe, die Behördenformulierungen und die unzähligen Abkürzungen. Ich hatte damals richtige Hemmungen beim Telefonieren – die Angst, eine Frage auf Deutsch nicht schnell genug zu verstehen oder die Namen und Termini falsch auszusprechen, war mein täglicher Begleiter. Abends was ich sprachlos, ich konnte wirklich nichts sagen.
Doch das Durchhalten hat sich gelohnt: Schon nach einem halben Jahr habe ich fast die gesamte Telefonkommunikation übernommen. Kurz darauf kam eine neue, wunderbare Aufgabe hinzu: Ich führe nun die Bewerbungsgespräche mit Jugendlichen. Ich hatte früher nie die Chance, so viel zu kommunizieren. Es gibt mir unglaublich viel Energie und Motivation zu sehen, wie zielstrebig und lernwillig diese Personen sind. Aus meiner größten Angst wurde meine größte Motivation.
Gleichzeitig lerne und entwickle ich mich selbst jeden Tag weiter. Ich bin unglaublich dankbar für die Aufmerksamkeit meiner Chefin, Frau Schuldt. Sie ist eine herausragende Fachfrau und eine sehr vielseitige Persönlichkeit. Es fasziniert mich immer wieder, wie tief ihr Wissen selbst in völlig unerwarteten Fachbereichen ist. Von so einer Mentorin zu lernen, ist ein echter Gewinn.
Heute sehe ich diese intensive Anfangsphase und meinen fortlaufenden Weg als meinen größten Meilenstein in Sachen Anpassungsfähigkeit.“
Text bearbeitet von: Dr. Melina Lieb
Foto: Svitlana Rostovtseva