Exkursion zu den Stolpersteinen
Unser Integrationskurs IK 362 war im Rahmen des Orientierungskurses auf einer Exkursion zu den Stolpersteinen in Aschaffenburg. Ein Bericht unserer Schülerin Oksana Munko.
Hinweis: Der folgende Text behandelt unter anderem die Themen Gewalt und Selbstmord.
Der Stadtrundgang begann am Schloss Aschaffenburg, von wo aus wir zum Hof der Kunsthalle Jesuitenkirche mit einem Kunstwerk aus Holz gingen. Die Holzskulpturen stellen Baumstämme dar; auf den ersten Blick entsteht der Eindruck eines toten Waldes. Doch später kann man an jedem Baum eine menschliche Figur sehen. Auch eine kleine Holzskulptur, die einem Kind ähnelt, war zu sehen. Dies könnte bedeuten, dass Kinder, genau wie Erwachsene, ein schweres Schicksal teilen.
Dann gingen wir zur Weißenburger Straße – dort liegt ein Stein für Alfons Vogel. Er war ein jüdischer Getreidehändler. Am 9.11.1938 wurde er von Nazis aus seiner eigenen Wohnung entführt, im Park verletzt und am 16.11.1938 wurde er getötet. Wofür?
Dann sind wir zur Herstallstraße gekommen. Dort liegen sieben Stolpersteine für ältere jüdische Personen, die am 7.9.1942 zusammen Selbstmord begangen haben. Sie haben es getan, um zu vermeiden, dass sie in die Vernichtungslager deportiert werden. Diese Geschichte war besonders bedrückend.
Die letzte Haltestelle war der Wolfsthalplatz, wo die Synagoge stand. Am 9.11.1938 wurde die Synagoge von den Nazis niedergebrannt. Sie wurde nicht wieder aufgebaut, weil es bis heute keine „neue“ jüdische Gemeinde in Aschaffenburg gibt.
Ein Gebäude ist jedoch erhalten: das ehemalige Rabbinatshaus. Heute ist es ein Museum für jüdische Geschichte. Aber das ist sehr traurig, denn es gibt Fehler, die unumkehrbar sind.
Der Stadtrundgang war gut organisiert, aber psychisch sehr belastend. Es ist schwer vorstellbar, welches Grauen diese Menschen durchgemacht haben, die eigentlich nichts falsch gemacht hatten und allein aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit mit ihrem Leben bezahlen mussten. Jedoch muss ich zugeben, dass es sehr gut ist, dass die Deutschen die dunklen Kapitel ihrer Geschichte offen anerkennen und immer wieder darüber sprechen. Es ist nicht einfach, schwere Verbrechen in der Vergangenheit zuzugeben und ständig darüber zu reden, aber es ist notwendig. Gerade in der heutigen Zeit sehen wir, dass Krieg selbst in einer modernen, fortschrittlichen Gesellschaft möglich ist.
*Diese Integrationskurse werden gefördert durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF)
Text und Bilder: Oksana Munko